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12.05.2017 - Kinotipp: Get Out

Einen interessanten Mix aus Horror und Satire präsentiert Comedy-Experte Jordan Peele in seinem Regiedebüt „Get Out“, das recht gewitzt mit Genre-Konventionen spielt und nebenbei den tief verwurzelten Rassismus in der US-Gesellschaft seziert.

Alles beginnt – wie so oft – mit einer Fahrt in die Provinz. Nur, dass dieses Mal keine durchgeknallten Hinterwäldler auf die Protagonisten warten, sondern vermeintlich liberale weiße Wohlstandsbürger. Der afroamerikanische Fotograf Chris befindet sich mit seiner Freundin Rose auf dem Weg zu ihren Eltern, die nach fünfmonatiger Beziehung endlich ihren potenziellen Schwiegersohn kennen lernen wollen, allerdings noch keine Ahnung haben, dass er schwarz ist. Ein Umstand, der dem jungen Mann vor Beginn der Reise größere Kopfschmerzen bereitet hat. Bei ihrer Ankunft scheint Chris zunächst seine Bedenken beiseiteschieben zu können, da er von Missy und Dean Armitage herzlich empfangen wird. Stutzig machen ihn jedoch einige doppeldeutige Bemerkungen und das seltsame Verhalten der farbigen Bediensteten Georgina und Walter. Während des Abendessens geht von Roses Bruder Jeremy eine latent aggressive Stimmung aus. Und in der Nacht hat Chris eine merkwürdige Begegnung mit der Mutter seiner Freundin, die ihn unbedingt vom Rauchen abbringen möchte. Dass er – dem Titel entsprechend – rasch das Weite suchen sollte, erkennt er erst am nächsten Tag auf einer bizarren Gartenparty.

Wie sehr das Thema „Rassismus“ Jordan Peele am Herzen liegt, zeigt schon der Prolog, der auf clevere Weise Unbehagen und abseitige Komik verbindet: Ein junger Schwarzer streift dort durch die aufgeräumten Straßen einer schmucken, offenkundig weißen Vorortsiedlung und fühlt sich dabei alles andere als wohl. Wenige Augenblicke später liegt er im Kofferraum eines Autos, dessen Fahrer ihn ohne ersichtlichen Grund attackiert hat. Afroamerikaner sind in der Öffentlichkeit nicht mehr sicher, will uns dieser Einstieg sagen und erinnert ganz bewusst an all die Übergriffe auf schwarze Menschen, die in den letzten Jahren durch die Presse gingen. Auch wenn 2008 erstmals ein Farbiger das Rennen um das Präsidentenamt gewann, wabern alte Rassenkonflikte und Vorurteile noch immer durch die US-Gesellschaft. Ein Beispiel für die alltägliche Diskriminierung liefert Peele, wenn er Chris und Rose nach einem Wildunfall auf einen Polizisten treffen lässt, der die Papiere des Fotografen einfordert, obwohl dieser nicht am Steuer saß.

Hat das junge Pärchen den Landsitz der Armitages erreicht, macht sich trotz des warmherzigen Empfangs schleichend ein Gefühl der Bedrohung breit. Ähnlich wie Chris staunt man als Zuschauer über die rassistischen Untertöne, die in vielen freundlich vorgebrachten Aussagen mitschwingen. Missy und Dean betonen regelmäßig ihre Weltoffenheit, legen aber – ebenso wie ihre begüterten weißen Freunde auf dem Gartenfest – eine beunruhigende Faszination für ihren Gast und seine Hautfarbe an den Tag. Immer wieder wird sein Schwarzsein thematisiert und damit sein Außenseiterstatus hervorgehoben. Dem Regisseur gelingt es, die gruselige Atmosphäre stetig zu verdichten und sein beklemmendes Landhausszenario parallel mit absurd-komischen Momenten anzureichern. Ein Stück ihrer Originalität büßt die bissige Horror-Satire im letzten Drittel ein, das eine eher konventionelle Eskalation mit leicht trashigen Anflügen entfesselt. Auch hier dehnt Peele allerdings ein wenig die Genre-Regeln aus, sodass sich die Enttäuschung in Grenzen hält.

USA 2017, Länge: 104 Min.

Kinostart: 04.05.2017

Regisseur: Jordan Peele
Darsteller: Daniel Kaluuya (Chris Washington), Allison Williams (Rose Armitage), Catherine Keener (Missy Armitage), Bradley Whitford (Dean Armitage), Lil Rel Howery (Rod Williams)

Altersempfehlung: Ab 16 Jahren

FSK: ab 16 Jahren