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30.03.2017 - Kinotipp: Ghost in the Shell (2017)

Nun ist es also endlich da, das langerwartete Realfilm-Remake des Anime-Klassikers „Ghost in the Shell“. Und ja, der Wow-Effekt ist erst einmal durchaus groß. Da gibt es betörend inszenierte Actionsequenzen und ein großartiges Intro. Und auch thematisch passt die Sache, geht es doch nicht nur um Schauwerte, sondern um ganz grundlegende Fragen: Was bleibt noch übrig von der menschlichen Seele, wenn sie in einen Maschinenkörper steckt? Was macht eigentlich einen Menschen aus? Und was macht einen Menschen einzigartig?

Nach einem Unfall wurde das Gehirn einer jungen Frau in einen Androidenkörper verpflanzt, um ihr Leben zu retten. Unter dem Namen „Major“ ist sie nun Teil einer geheimen Spezialeinheit der Regierung, stark und schnell, eine echte Kampfmaschine. Als sie mit ihrem Team auf einen Hacker angesetzt wird, gerät ihr Selbstbild jedoch ins Wanken. Denn als dieser in ihr Gedächtnis eindringt, beginnt der Major zu zweifeln. Hat der Konzern, dem sie ihren Maschinenkörper zu verdanken hat, sie nur ausgenutzt? Und woher kommt sie wirklich?

Für diejenigen, die weder den Original-Zeichentrickfilm noch den Manga von Masamune Shirow kennen, hat Rupert Sanders eine bildgewaltige Cyberpunk-Geschichte geliefert, die glaubhaft in eine futuristische Welt führt und zudem eine coole zeitgemäße Actionheldin in den Mittelpunkt stellt. Nur für Fans des Animes strahlt das Remake nicht ganz so hell. Denn oft sieht es so aus, als hätte Rupert Sanders („Snow White and the Huntsman“) der Anime-Klassiker nur als Lieferant für eindrucksvolle Bildideen gedient. Sanders imitiert die Bildgestaltung des Animes zum Teil bis ins Detail, stellt sie jedoch in einen ganz anderen Zusammenhang und verwässert damit regelrecht das, was ursprünglich einmal damit verbunden war.

Deutlich wie selten wird hier, was das japanische und das US-amerikanische Kino unterscheidet: Während der Anime es nicht zustande bringt, die Geschichte um die Intrigen verständlich zu machen und auf dieser Erzählebene ziemlich konfus ist, setzt die US-Fassung auf Überdeutlichkeit und zieht eine klare Grenze zwischen „Helden“ und „Schurken“. Wo der Anime den Mut hat, Zweifel zu zeigen und den Major am Ende wirklich neue Wege gehen zu lassen, setzt der US-Film auf eine selbstbewusste und starke Heldin, die weiß, was sie will. Beide Varianten haben ihren Reiz, ihre Stärken und Schwächen. Und am Ende hilft wohl nur eines: Beide Filme sehen!

Regie: Rupert Sanders

Darsteller: Scarlett Johansson (Major),Pilou Asbæk (Batou), Takeshi Kitano (Aramaki),Juliette Binoche (Dr. Quelet), Michael Pitt (Kuze), Chin Han (Han) u.a.

USA 2017, Länge: 107 Min.

Altersempfehlung: Ab 16 Jahren

Kinostart: 30.3.2017