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16.03.2017 - Kinotipp: Mit Siebzehn

Kraftvoll gespielt und ohne schmalzige Mätzchen inszeniert: André Téchinés Coming-of-Age-Drama. „Mit siebzehn“ rief nach seiner Uraufführung bei der Berlinale 2016 vollkommen zu Recht Lob und Begeisterung hervor. Umso schöner, dass es der emotional mitreißende Film nun in die deutschen Kinos schafft.

Auf einem Hof in den französischen Pyrenäen lebt der Teenager Thomas bei seinen Adoptiveltern Jacques und Christine Chardoul und macht sich jeden Tag auf den mühsamen Weg ins Tal, wo er die Schule besucht. Mit seinem Klassenkameraden Damien verbindet ihn eine Feindschaft, die sich immer wieder in Beleidigungen und Schlägereien entlädt. Eines Tages steht Damiens Mutter Marianne, die als Landärztin arbeitet, bei Thomas vor der Tür, um Christine in Augenschein zu nehmen. Da die schwangere Frau für einige Zeit ins Krankenhaus muss, unterbreitet Marianne den Chardouls einen Vorschlag: Thomas könnte vorübergehend zu ihr und ihrem Sohn ziehen, was seinen Schulweg abkürzen und mehr Zeit zum Lernen garantieren würde. Während die Medizinerin nichts von den Streitigkeiten zwischen Damien und seinem Mitschüler ahnt, führen die Jugendlichen ihre Privatfehde fürs Erste fort. Mehr und mehr zeigt sich jedoch, dass sich die beiden eigentlich zueinander hingezogen fühlen.

Dem Franzosen André Téchiné („Wir waren Zeugen“) gelingt hier, was bei Leibe nicht jeder Kollege im selben Alter zustande bringen könnte. Der 1943 geborene Regisseur und Drehbuchautor schenkt uns einen Film über das Erwachsenwerden und das Erwachen der Sexualität, der in vielen Momenten voller Leben steckt und sich erfrischend unaufgeregt entfaltet. Die unterschiedlichen Jahreszeiten dienen nicht nur als zeitliche Hinweise, sondern spiegeln auch die langsame Annäherung der Protagonisten wider. Verortet ist das von den Gefühlswirren der Pubertät handelnde Drama nicht zufällig in der rauen, archaisch anmutenden Bergwelt der Pyrenäen, die eine treffende Kulisse für die wiederholt gewaltsamen Zusammenstöße der jungen Männer abgibt. Thomas und Damien wollen sich ihre gegenseitige Zuneigung anfangs nicht eingestehen. Ihre körperlichen Auseinandersetzungen sind allerdings schon Vorboten der Zärtlichkeit und Leidenschaft, mit der sie sich im weiteren Verlauf begegnen. Corentin Fila und Kacey Mottet Klein vermitteln diese Entwicklung auf glaubwürdige und natürliche Weise und garantieren so, dass der Zuschauer emotional stets in das Geschehen involviert bleibt. Erwähnenswert ist auch die differenzierte Darbietung, mit der Sandrine Kiberlain in der Rolle der hilfsbereiten Mutter überzeugt. Auch wenn „Mit siebzehn“ einige dramatisch-einschneidende Ereignisse schildert, setzt Téchiné konsequent auf eine unsentimentale Inszenierung, was die Geschichte noch wahrhaftiger erscheinen lässt.

Regisseur: André Téchiné
Cast: Corentin Fila (Thomas Chardoul), Kacey Mottet Klein (Damien Delille), Sandrine Kiberlain (Marianne Delille), Alexis Loret (Nathan Delille), Jean Fornerod (Jacques Chardoul), Mama Prassinos (Christine Chardoul)

Frankreich 2016, Länge: 116 Min.

Kinostart: 16.03.2017

Altersempfehlung: ab 16 Jahren