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Meine Brüder und Schwestern im Norden (tlw. OmU)

Mit ihrem ebenso eigenwilligen wie kurzweiligen Dokumentarfilm Full Metal Village über das Festival und das Dorfleben in Wacken wurden die Regisseurin Sung-hyung Cho hierzulande bekannt. Jetzt ist die aus Südkorea stammende Filmemacherin, die in Deutschland studiert, in das nördliche Nachbarland ihrer Heimat gereist: nach Nordkorea. Möglich wurde das erst, wie sie eingangs erläutert, nachdem sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Die Grenzen zwischen Süd- und Nordkorea sind für die Bewohner beider Länder nicht passierbar.

Wo der Diktator Kim Jong-un herrscht, kann die Filmemacherin selbstverständlich nicht einfach drehen, wo, wen und wann sie will. Die Regierung versteht sich als Koproduzent und gibt ihr Drehorte und Interviewpartner vor. Da wir Zuschauer diese Informationen von Anbeginn haben, stehen die folgenden Sequenzen in einem anderen Kontext. Allgegenwärtig ist der Führer Kim Jong-un: auf Propagandaplakaten, in Volksliedern und auch in den Erzählungen der Arbeiter, die die Filmemacherin auf der Suche nach dem alltäglichen Leben in Nordkorea besucht. Freiwillig lesen die Bürger Samstags die Schriften des Führers, stolz berichten sie von seinem großen Interesse an ihrer Arbeit und wie sehr dieses Interesse sie zu noch besserer Arbeit motiviere.

Wie schon in „Full Metal Village“ stellt die Regisseurin ihre Fragen an die Gesprächspartner mit großer Offenheit und lässt die Statements ihrer Gegenüber unkommentiert stehen. Doch im Kontext der ersten Hintergrunderläuterungen bedarf es auch keiner weiteren Kommentierung, die Aussagen der Arbeiter und Bauern sprechen für sich und sagen eine Menge über das alltägliche Leben in Nordkorea aus. Die Menschen haben die Ideologie so weit verinnerlicht, dass sie stolz sind, dem Staatswohl zu dienen. Ein überaus sehenswerter Einblick in das Leben in einem diktatorischen Staat.

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