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Café Belgica

Früher hat Frank sich für seinen kleinen Bruder Jo geprügelt, jetzt hat er Familie und Jo seit drei Monaten nicht gesehen. Jo hat eine Kneipe eröffnet, das Café Belgica, und Frank will sehen, wie das läuft. Die Kneipe ist nicht sehr groß und an den Tresen sitzen die üblichen Verdächtigen. Frank hat Ideen und ist in seinem Gebrauchtwagenhandel sowieso unzufrieden und so bringt er sich ein. Er schleppt einen bekannten DJ an und in dessen Schlepptau kommen neue Gäste. Bald brummt der Laden, Frank überredet Jo zur Erweiterung des Ladens und bald sind das Café Belgica und seine Events in der Szene angesagt. Doch die Non-Stop-Dauerparty hinterlässt Spuren. Während sich für Frank allmählich alle Grenzen verwischen, wird Jo deutlich, dass er mehr vom Leben erwartet als heiße Beats und coole Rhythmen.

„Café Belgica“ beginnt tänzelnd, die Kamera begleitet Frank zunächst durch einem trüben, ereignislosen Tag. Doch von Minute zu Minute wird deutlicher, dass Frank nicht nur unter etwas Langeweile leidet, sondern dass er rastlos ist, pausenlos Ideen spinnt, Beats und Rhythmen braucht um sich zu spüren. Wie Jo sieht man Frank eine Weile dabei zu, ist beeindruckt, wird hineingezogen in den Wirbel, den er verursacht. Bis der Rausch kippt und die Rastlosigkeit stressig wird und aggressiver. Wie die Musik entsteht auch in den Bildern ein Beat, der die Frage aufwirft, wie die Geschichte auf Dauer aushält, was sie erzählt, und wie lange der Film das Tempo eigentlich noch steigern kann.

„Café Belgica“ führt den Zuschauer wie ein Sog mitten in Franks Partytraum hinein. So lange es etwas aufzubauen gibt, ist die Stimmung ausgeglichen und harmonisch. Aber die Location darf im Grunde nicht fertig werden, sonst kehrt der Stillstand zurück, den Frank unbedingt vermeiden will. Und während sich Jo aus der Rolle des kleinen, bewundernden Bruders herausentwickelt und entdeckt, was ihn glücklich macht, stolpert Frank in seine eigenen Fallen. Sein ursprünglicher Traum, eine „Arche“ für alle zu bauen, geht in der schicken VIP-Lounge verloren, die sein Vermächtnis wird, als er endgültig die Grenzen überschreitet.

Felix van Groeningen, der bereits mit „Die Beschissenheit der Dinge“ und „The Broken Circle“ deutlich machte, dass er keine Scheu hat, in die komplexe Welt positiver wie negativer Gefühle abzutauchen, lässt seinen Hauptdarstellern Spielraum bis in die Extreme. Tom Vermeir absolviert eine wahre Tour de Force in der Rolle des ambivalenten Frank, Stef Aerts behauptet sich an seiner Seite in einer eher feinfühligen Entwicklung seines Charakters. Das Schauspieler-Gesamtensemble stimmt bis in die kleinste Nebenrolle, Ruben Impens‘ Kamera und Van Groeningens Schauspielführung verleihen der Darstellung den letzten Schliff. Ausstattung, Kostüme, Atmosphäre tragen zur Dichte des Films ebenfalls bei und natürlich ist eines der Highlights der Sound, der den Rhythmus der Bilder auf den Punkt bringt.

DVD Extras: Trailer

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