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American Honey

Star ist 18 Jahre alt, und bringt sich und die Kinder einer anderen Frau mit Lebensmitteln aus dem Müll durch. Als sie auf einem Supermarkt Parkplatz die bunt zusammen gewürfelte, ausgelassene Gruppe einer Drückerkolonne sieht, ist sie sofort fasziniert. Vor allem Anführer Jake gefällt ihr. Im Supermarkt flirten sie, dann zieht Jake eine Riesenshow an der Kasse ab, es sieht so aus als tanze er nur für sie. Star schließt sich spontan der Gruppe Jugendlicher an. Sie alle fliehen vor prekären und kaputten Verhältnissen. Auf den Autobahnen des Südens scheinen sie ein wildes und freies Leben zu führen, es wird gekifft, getrunken, gelacht und gesungen. Wäre da nicht die Sache mit dem Geld verdienen. Krystal, die eiskalte Chefin der Zeitschriften-Abo Verkäufer, herrscht mitleidlos mit eiserner Hand über ihre Truppe. Wenn einer zu wenig verkauft, wird er in der „Loser Night“ von den anderen verprügelt, irgendwo zwischen Partyexzess, Spaß und bitterem Ernst. Die Regeln müssen sklavisch befolgt werden, sonst setzt sie ihre Mitarbeiter in der Wüste aus. Das alles ist eine Gradwanderung zwischen jugendlicher Anarchie, Freiräumen und Zwang, psychischer Brutalität, einem entfesselten Kapitalismus. Jake ist die rechte Hand der Chefin, ihr Assistent und höriger Vollstrecker, auch im Bett. Aber Star lehnt sich auf, sie hat nichts zu verlieren und sie ist voller Lebenshunger. Außerdem hat sie sich richtig in Jake verliebt. Aber Liebe darf es nicht geben, sie stört das Geschäft. Jake und Star beschützen sich gegenseitig, lieben sich, verraten sich. Heimlich hütet Jake seinen Schatz, gestohlener Schmuck und Geld aus den Häusern der Abonnenten, um sich davon seinen Traum zu kaufen. Aber kann man Träume kaufen?

Nach „Red Road“, Wuthering Hights und Fish Tank, mit dem die britische Regisseurin international auf sich aufmerksam machte, wendet sich Andrea Arnold den USA zu. Ihr Blick auf die unendlichen Weiten der Südstaaten und den amerikanischen Traum ist dabei roh, unbestechlich und ernüchternd. Dabei ist „American Honey“ alles andere als ein trockenes Sozialdrama. Der Film ist ganz nah an den Gefühlen seiner Figuren dran, vor allem an der Protagonistin Star, die Arnold erst wenige Tage vor Drehbeginn von der Straße gecastet hat. Die Schauspielerin Laiin ist ein wahrer Glücksgriff für dieses entfesselte Road Movie, das unglaublich starke, dokumentarisch anmutende Bilder für seine Geschichte findet. Die Kamera wählt ein beengtes 4:3 Format, wodurch trotz wunderschöner weiter Landschaftsaufnahmen nie das Gefühl von Freiheit entsteht. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es nicht mehr. Es ist sicher kein Zufall, dass Jake, der die kapitalistische Logik der Drückerkolonne verinnerlicht hat und die anderen damit anführt, über seine Anzughose sagt, sie wäre „trumpish“. Das System der Zeitschriften Verkäufer ist das eines brutal simplen Mikro-Kapitalismus. Eine Parallelgesellschaft, die doch gleichzeitig ein Spiegel für die echten Verhältnisse ist; die unglaubliche Kluft zwischen Arm und Reich, die der Film dem Zuschauer quasi vor den Kopf knallt. Dagegen steht Stars unmittelbare Empathie, ihre Stärke und Aufrichtigkeit. Rihanna singt „we found love in a hopeless place“, dazu gibt es flirrende Naturbilder, Insekten die Star immer wieder rettet. Hier liegt die Hoffnung, die am Ende nicht mehr als ein Irrlicht ist. Und trotzdem liegt in diesem Schlussbild eine unglaubliche Kraft, die des Überlebens in jeder Hinsicht. Ein ungestümes und poetisches Jugenddrama mit starker politischer Aussage.


Blu-ray-Bildformat:1:2,40/1080p
Ton:dts
Sprachen: Deutsch dts 5.1/Englisch dts HD 5.1 MA
Untertitel: Deutsch/Englisch

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