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4 Könige

„Die Autorin Esther Bernstorff hatte die Idee zu diesem Film. Sie lernte den Chef einer Jugendpsychiatrie kennen, der ihr erzählte, dass viele Familien an Weihnachten ihre ‚schwierigen‘ Kinder in der Psychiatrie abgeben, damit Weihnachten konfliktfrei ablaufen kann. […] Esther gab mir dann eine frühe Fassung ihres Drehbuchs zum Lesen. Die Konstellation Jugendpsychiatrie und Weihnachten fand ich sofort interessant, denn zunächst scheinen das Ereignis und der Ort diametral entgegengesetzt zu sein. So begann unsere Zusammenarbeit.“ – erzählte Regisseurin Theresa von Eltz bei einem Interview in Berlin. Da war sie gerade zurückgekehrt vom Rom Film Festival, wo sie in der Sektion Alice nella Cittā für ihren Debütfilm „4 Könige“ mit dem Preis für den besten Film und für die beste Regie ausgezeichnet worden war.

Anfang Dezember 2015 hatte der Weihnachtsfilm der besonderen Art seine Kinopremiere in Deutschland; nun ist er auf DVD erschienen. Die vier Könige – das sind Lara, Alex, Timo und Fedja. Sie alle sind schwer traumatisiert, sind auf Drogen hängengeblieben, haben sich selbst verletzt, kämpfen als Opfer von Gewalt mit immensen Angstzuständen oder können ihre Aggressionen nicht kontrollieren. Weihnachten nun sollen bzw. wollen sie in der Jugendpsychiatrie verbringen, denn „draußen“ wartet sowieso niemand auf sie. Die Feiertage hier in der „Klapse“ sind eintönig. Abwechslung bringen allein die Therapiestunden mit Dr. Wolff, der diese auf unkonventionelle Art und Weise durchführt. Er setzt darauf, dass seine Patienten Verantwortung für sich übernehmen, und sorgt dafür, dass die vier Könige sich aufeinander einlassen. Das geht natürlich nicht ohne Konflikte ab und endet – allerdings nur auf den ersten Blick – tragisch!

„4 Könige“ ist eine mitreißender, berührender Film über vier innerlich verletzte Jugendliche, die ein Stück wieder zu sich selbst finden. Dabei geht es Theresa von Eltz und Esther Bernstorff nicht um eine Schilderung der psychischen Erkrankung der Jugendlichen. Ihre Vorgeschichten, ihr Krankheitsbild werden nur angedeutet. Viel wichtiger ist den Filmemacherinnen die Entwicklung ihrer Protagonisten, die durch das gemeinsame Handeln und das Bewältigen der Konflikte in der Gruppe vorangetrieben wird. Gleichzeitig gelingt dem Film ein kritischer Blick auf die Situation in psychiatrischen Einrichtungen und auf die familiären Zusammenhänge seiner Hauptfiguren. Der Vielschichtigkeit der vier Persönlichkeiten, ihrer Verletzlichkeit und aber auch inneren Stärke wird im Film viel Raum gelassen. So befinden sich die Könige zwar in einer psychischen Ausnahmesituation, haben aber trotzdem viel mit ihren so genannten „normalen“ Altersgenossen gemein und bieten somit ein hohes Maß an Identifikationsmöglichkeit. Ein großes Lob gebührt dabei den hervorragenden Jungschauspielern Jella Haase, Jannis Niewöhner, Moritz Leu und Paula Beer, die sich voll auf ihre Figuren einlassen und den vier Königen eine beeindruckende Wahrhaftigkeit und Authentizität verleihen.

DVD Extras: Interviews

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